
Ein Autounfall ist auch ohne Personenschaden eine ärgerliche Angelegenheit. Autohalter:innen mit Totalschaden am eigenen Kfz stellen sich sofort wichtige Fragen: Wer bezahlt meinen Schaden? Wieviel Geld bekomme ich? Was ist der Restwert meines Autos und wie wird er berechnet? Welche Versicherung zahlt und wieviel? All diese Fragen beantwortet dieser Ratgeber.
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Ein Totalschaden liegt vor, wenn die Reparaturkosten des Unfallautos den kalkulierten Wiederbeschaffungswert übersteigen. Wenn ein Auto derart beschädigt ist, dass es nicht mehr repariert werden kann, spricht man von einem technischen Totalschaden.
- Der Restwert ist der Wert des unreparierten Fahrzeuges nach dem Unfall. Der Wiederbeschaffungswert ist der Wert, der zum Erwerb eines vergleichbaren Autos (Zustand vor dem Unfall) auf dem Gebrauchtwagenmarkt nötig ist.
- Bei einem fremdverschuldeten Totalschaden zahlt die gegnerische Versicherung deinen Schaden. Unsere Empfehlung: Greife immer auf die Expertise von unabhängigen Sachverständigen zurück. Die gegnerische Versicherung ist verpflichtet, die Kosten dafür zu übernehmen.
Definition Totalschaden
Totalschaden! Viele denken dabei an Autos, die nach einem Unfall oder einem anderen Ereignis komplett demoliert sind. Doch ob es sich um einen Totalschaden handelt, hängt nicht nur von der Schwere des Schadens ab, sondern von einigen anderen Faktoren.
Grundsätzlich liegt ein Totalschaden dann vor, wenn die ermittelten Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert deines Fahrzeugs liegen. Das bedeutet: Wenn dein Auto schon vor dem Unfall nicht mehr viel Wert war, ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalschadens höher.
Es gibt aber verschiedene Abstufungen. Expert:innen unterscheiden zwischen einem wirtschaftlichen und einem technischen Totalschaden.
Was ist ein wirtschaftlicher Totalschaden?

Ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt dann vor, wenn die ermittelten Reparaturkosten höher sind als die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert. Was genau der Wiederbeschaffungswert und der Restwert sind, erläutern wir weiter unten um Artikel.
Mit diesem Beispiel lässt sich das besser veranschaulichen: Wenn der Wiederbeschaffungswert eines Autos bei 10.000 Euro liegt und der ermittelte Restwert bei 5.000 Euro, dann beträgt die Differenz zwischen beiden Werten 5.000 Euro. Wenn nun die Reparaturkosten höher sind als 5.000 Euro, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor.
Was ist ein technischer Totalschaden?
Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden wird häufig eben aus wirtschaftlichen Gründen von einer Reparatur abgesehen. Grundsätzlich wäre es aber möglich, den Wagen wieder instand zu setzen.
Ein technischer Totalschaden hingegen liegt dann vor, wenn ein Auto nach einem Unfall derart beschädigt ist, sodass es aufgrund technischer Mängel gar nicht mehr repariert werden kann.
Restwert, Wiederbeschaffungswert… Was ist was?
Um festzustellen, ob es sich bei deinem Schaden um einen Totalschaden handelt, muss ein Gutachten durch eine:n qualifizierte:n Kfz-Sachverständige:n erstellt werden. Wie du oben bereits erfahren hast, sind dabei zwei Werte von zentraler Bedeutung: der Restwert und der Wiederbeschaffungswert deines Fahrzeugs.
Was ist der Restwert und wie wird er ermittelt?

Der Restwert entspricht dem Wert, den du nach dem Unfall für das unreparierte Auto noch bekommen würdest. Versicherer verwenden deshalb auch den Fachausdruck „Veräußerungswert“. Er entspricht dem Preis, den du beim Verkauf des unreparierten Fahrzeugs auf dem Gebrauchtwagenmarkt erzielen kannst bzw. könntest.
Als erste Orientierung für die Höhe des Restwerts dient die sogenannte Schwacke-Liste. Die tatsächliche Ermittlung des Restwerts können aber nur qualifizierte Kfz-Sachverständige durchführen. Sie erkennen auch mögliche verdeckte Schäden, die auf den ersten Blick nicht ins Auge fallen. Außerdem orientieren sie sich bei der Restwertermittlung am regionalen Fahrzeugmarkt. Ein Pkw in Bayern kann zum Beispiel eine höhere Bewertung erhalten als ein vergleichbares Auto in Sachsen-Anhalt.
Wer kauft Autos zum Restwert?
Es gibt online diverse Restwertbörsen für Unfallfahrzeuge. Auf diesen Portalen werden beschädigte Autos anhand der erstellten Gutachten von Sachverständigen angeboten. Die Abwicklung erfolgt ähnlich wie bei herkömmlichen Online-Autoauktionen. Das geht meist sehr schnell – es kann allerdings sein, dass nicht alle Wertfaktoren berücksichtigt werden und daher die Angebote unter dem tatsächlichen Wert liegen.
Professionelle Kfz-Sachverständige gehen deshalb so vor, dass sie mindestens drei Angebote von Aufkäufern aus der Region einholen und auf dieser Grundlage einen seriösen Restwert ermitteln. Die Bieter:innen sind dabei in der Regel Gewerbetreibende, also keine Privatpersonen.
Wer verkauft das unfallbeschädigte Auto?
Wenn du ein Gebot für dein unfallgeschädigtes Fahrzeug vorliegen hast, musst du dich entscheiden. Nimmst du das Angebot an und verkaufst dein Auto zu dem ermittelten Preis? Oder möchtest du es lieber behalten und damit weiterfahren oder ggfs. reparieren lassen?
Sofern du dich für den Verkauf entscheidest, kannst du diesen komplett selbst abwickeln. Es ist schließlich dein Auto.
Vorsicht vor Angeboten der Versicherung
Im Fall eines Totalschadens bieten Versicherungen einem häufig an, dass sie die Restwertermittlung und den Verkauf des Fahrzeugs übernehmen, oder sie schicken dir sogar unaufgefordert ein Angebot zu. Das bedeutet: Die Versicherung lässt den Restwert durch ihre eigenen Gutachter:innen ermitteln und zahlt dir die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert aus.
Das Problem dabei: Die Versicherungen versuchen natürlich, die Auszahlungssumme möglichst gering zu halten. Hierfür setzen sie einen möglichst niedrigen Wiederbeschaffungswert und einen hohen Restwert an. Um sicherzugehen, dass beide Werte neutral ermittelt werden, solltest du eine:n unabhängige:n Kfz-Sachverständige:n beauftragen.
Was ist der Wiederbeschaffungswert eines Kfz?
Der Wiederbeschaffungswert eines Fahrzeugs dient vor allem der Einschätzung, ob eine Reparatur nach einem Unfallschaden sinnvoll ist. Dazu wird der Betrag ermittelt, der für eine Wiederbeschaffung des Fahrzeugs – so wie es vor dem Unfall war – auf dem Gebrauchtwagenmarkt nötig wäre. Es wird also ein genau vergleichbares Auto zur Wertermittlung herangezogen.
Berücksichtigte Faktoren sind dabei:
- Marke
- Modell
- Ausstattung
- Motorisierung
- Baujahr
- Kilometerleistung
- Optischer und technischer Zustand
Relevant bei der Wertermittlung ist der Zustand deines Autos am Schadentag vor dem Unfall. Der Wert eines Autos kann aufgrund regionaler Preisunterschiede auch unterschiedlich ausfallen.
Geht es um die Wertermittlung eines Neuwagens, ist die Berechnung für die Gutachter:innen wesentlich einfacher: Hier können Listenpreise der Autohersteller samt Ausstattungsdetails herangezogen werden. Allerdings wird bereits nach einigen Wochen sowie einigen hundert Kilometern Laufleistung ein Wertverlust einberechnet.
Wer zahlt bei Totalschaden?
Bei einem Unfallschaden werden die Kosten durch die Kfz-Versicherung derjenigen Person übernommen, die den Unfall verursacht hat. Wurde dein Auto infolge einer Naturkatastrophe zum Totalschaden, haftet dafür deine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Solltest du den Totalschaden selbst verschuldet haben, hilft dir in diesem Fall nur eine Vollkaskoversicherung, die den Schaden reguliert.
Was bekomme ich nach einem Totalschaden ausbezahlt?
Die Geldsumme, die du nach einem Totalschaden an deinem Pkw ausgezahlt bekommst, hängt von verschiedenen Gegebenheiten ab.
Hier sind verschiedene Szenarien zusammengefasst:
- Fremdverschulden mit Totalschaden und Abwicklung über die Haftpflichtversicherung:
Ausbezahlt wird der sogenannte Wiederbeschaffungsaufwand, also der Wiederbeschaffungswert minus Restwert. Das kaputte Auto kannst du zum Restwert verkaufen, musst du aber nicht. Du willst den Schaden reparieren lassen, weil du dir kein neues Fahrzeug leisten kannst oder willst? Hier greift möglicherweise die sogenannte 130-Prozent-Regel: Die Reparaturkosten dürfen höchstens 30 Prozent über dem von Gutachter:innen ermittelten Wiederbeschaffungswert liegen. - Fremdverschulden mit Totalschaden und Abwicklung über Teil- bzw.- Vollkasko:
Wiederbeschaffungswert minus Restwert ist gleich der Summe, die du im Schadenfall ausgezahlt bekommst. Das kaputte Auto kannst du zum Restwert verkaufen und mit der so erhaltenen Summe ein anderes Kfz erwerben. Die 130-Prozent-Regel gilt hier nicht, diese kommt ausschließlich im Haftpflichtfall zum Tragen. - Eigene Vollkasko und Totalschaden durch Vandalismus:
Bei Vandalismus und nicht ausfindig zu machenden Täter:innen tritt die Haftung der Vollkasko in Kraft. Allerdings kann es zu einer Selbstbeteiligung und Hochstufung der Versicherungsbeiträge kommen. - Eigenverschulden mit Totalschaden und Abwicklung über die eigene Vollkasko:
Bei Eigenverschulden springt die eigene Vollkaskoversicherung ein, sofern du eine abgeschlossen hast. Allerdings kann es zu einer Selbstbeteiligung und Hochstufung der Versicherungsbeiträge kommen. - Totalschaden und Abwicklung über die eigene Teilkasko:
Die Teilkasko zahlt keinen Totalschaden durch Eigenverschulden. Sie kommt aber für Totalschäden durch Wildunfälle bzw. Naturkatastrophen auf. - Eigenverschulden mit Totalschaden und Abwicklung über die eigene Haftpflicht:
Die eigene Kfz-Haftpflicht zahlt keinen Totalschaden bei Eigenverschulden und auch keinen Totalschaden durch Wildunfälle.
Was ist die 130-Prozent-Regel?
Die 130-Prozent-Regel stellt eine Sonderregelung bei der Schadenregulierung dar. Sie wahrt das sogenannte Integritätsinteresse Betroffener bei einem unverschuldeten Unfall.
Denn auch wenn eine Reparatur aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr ratsam erscheint, so kann der oder die Betroffene doch gute Gründe haben, das beschädigte Auto reparieren zu lassen. Sei es aus emotionalen Gründen oder weil man sich kein neues Fahrzeug leisten kann. Die 130-Prozent-Regel legt daher fest, dass eine Reparatur auch dann vorgenommen werden darf, wenn die Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert liegen.
Die 130-Prozent-Regelung kann sowohl bei einem Totalschaden als auch bei einem wirtschaftlichen Totalschaden greifen. Sie kommt aber ausschließlich im Haftpflichtfall zum Tragen. Bei Abwicklungen über Teil- oder Vollkasko wird immer der Wiederbeschaffungswert als Kostenobergrenze für Reparaturen herangezogen.
Voraussetzungen für die 130-Prozent-Regel
Folgende Voraussetzungen müssen für die 130-Prozent-Regel erfüllt sein:

- Unverschuldeter Totalschaden, der über die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung reguliert wird.
- Die Reparaturkosten dürfen höchstens 30 Prozent über dem von Gutachter:innen ermittelten Wiederbeschaffungswert liegen.
- Die Reparatur muss vollständig anhand der im Gutachten festgelegten Kriterien erfolgen.
- Für die dem Gutachten entsprechende Reparatur muss eine Rechnung vorliegen.
- Eine eigenhändige Reparatur ist zwar zulässig, muss aber von einem oder einer Gutachter:in als dem Gutachten entsprechend bestätigt werden.
- Das Unfallauto muss mindestens sechs Monate nach dem Unfall weiter angemeldet und versichert sein.
Wofür brauche ich eine:n unabhängige:n Gutachter:in?
Die Antwort ist einfach. In der Regel stellt die Versicherung des Unfallverursachers eine:n Gutachter:in. Natürlich ist auch diese Person vom Fach und hat die nötige Expertise – sie ist aber nicht unabhängig. Nicht selten kommt es vor, dass die gegnerische Versicherung, die das Gutachten beauftragt hat, versucht, die eigenen Kosten so gering wie möglich zu halten. Das Gutachten von Versicherungsgutachter:innen fällt daher häufig zu deinen Ungunsten aus.
Aus diesem Grund raten wir dir immer dazu, auf die Einschätzung von unabhängigen Kfz-Sachverständigen zurückzugreifen. Zu teuer? Zu aufwendig? Nein. Denn die gegnerische Versicherung ist verpflichtet, die Kosten für eine:n unabhängige:n Sachverständige:n zu bezahlen. Und finden kannst du diese:n ganz einfach über unser Suchformular.
Achtung: Solltest du den Totalschaden selbst verursacht haben und über deine Vollkasko abrechnen wollen, zahlt deine eigene Versicherung nicht für ein unabhängiges Gutachten. Du kannst zwar auf unsere Expertise zurückgreifen, musst aber voraussichtlich selbst dafür aufkommen.